Wenn Arbeitnehmer im Krankenstand gekündigt werden, entsteht oft Unmut. Rein rechtlich spricht jedoch nichts dagegen, denn einen Kündigungsschutz während des Krankenstandes gibt es in Österreich nicht. Dennoch tauchen in so einem Fall auf dann viele Fragen über die Rechtslage auf. Hier geben wir einen Überblick über die Wirksamkeit der Kündigung und die Entgeltansprüche des Arbeitnehmers, wenn er im Krankenstand gekündigt wird.

Wann ist die Kündigung wirksam?

Damit eine Kündigung wirksam ist, muss der Arbeitnehmer sie auch empfangen. Befindet er sich also im Krankenstand und ist deshalb zu Hause, muss eine schriftliche Kündigung direkt an seine zuletzt gemeldete Wohnadresse geschickt werden. Wenn der Arbeitnehmer im Krankenhaus ist, muss das Schreiben dorthin adressiert werden.

Kündigung
Die Kündigung wirkt erst bei erfolgreicher Zustellung.

Verzögert sich der Erhalt der Kündigung, wird auch die Wirkung der Kündigung aufgeschoben. Das kann beispielsweise vorkommen, wenn der Arbeitnehmer ans Bett gebunden ist, oder das Schreiben im Krankenhaus untergeht. Daher ist es sinnvoll das Kündigungsschreiben durch einen Boten mit persönlicher Übergabe auf die Reise zu schicken. Zudem kann es als Arbeitgeber nicht schaden, sich den Erhalt der Kündigung vom Arbeitnehmer schriftlich bestätigen zu lassen.

Wichtig für die Wirksamkeit der Kündigung ist aber auch, dass der Arbeitnehmer physisch und psychisch fähig ist, die Kündigung wahrzunehmen. Sobald die Beendigung des Arbeitsverhältnisses zur Kenntnis genommen wurde, gelten dieselben Kündigungsfristen und -termine wie sonst auch.

Entgeltfristen bei einer Kündigung im Krankenstand

Kündigung im Krankenstand
Entgeltzahlung auch bei einvernehmlicher Kündigung im Krankenstand.

Wenn der Krankenstand auch nach dem Ende des Arbeitsverhältnisses noch andauert, hat der Arbeitnehmer noch weiterhin Anspruch auf das Entgelt, das ihm ohne die Kündigung zugestanden wäre. Der Arbeitgeber muss dabei längstens bis zum Erreichen des Entgeltfortzahlungsfrist oder bis zur Genesung seines Mitarbeiters zahlen.

Mittlerweile zahlt der Arbeitgeber auch bei einer einvernehmliche Auflösung im Krankenstand weiterhin ein Entgelt. Die Fristen richten sich in beiden Fällen danach, wie lange der Mitarbeiter im Betrieb beschäftigt war.

Betriebszugehörigkeit Anspruch auf Entgeltfortzahlung
Weniger als 1 Dienstjahr 6 Wochen voll, 4 Wochen halb
Mindestens 1 Dienstjahr 8 Wochen voll, 4 Wochen halb
Mindestens 15 Dienstjahre 10 Wochen voll, 4 Wochen halb
Ab 25 Dienstjahre 12 Wochen voll, 4 Wochen halb

Ist der Mitarbeiter nach Ende der Entgeltfortzahlung immer noch krank, bekommt er Krankengeld von der Krankenkassa. Bis zum 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit beträgt das Krankengeld die Hälfte des vorigen Brutto-Gehaltes, anschließend 60%.

Eine Kündigung anfechten

Ob Krankenstand oder nicht, Voraussetzung der Kündigung ist auf jeden Fall, dass sie nicht sozial ungerechtfertigt ist. Während häufige oder lang andauernde Krankenstände durchaus ein Kündigungsgrund sein können, ist eine Kündigung wegen einer einmaligen Krankheit nicht gerechtfertigt. In dem Fall kann der Arbeitnehmer die Kündigung anfechten und sich Rechtsbeihilfe bei einem fachkundigen Rechtsanwalt in Feldkirch suchen.